Klappe Auf: Die Zukunft des Kinos

Das Kino und die dazugehörige Stätte, die Kinos, wurden schon so einige Male zu Grabe getragen und sind doch immer wieder auferstanden. Mal mit ein paar Schrammen und blauen Flecken, mal aber auch frisch gestärkt und runderneuert. Die Corona-Krise stellt nun bereits seit einigen Monaten die nächste große Bewährungsprobe für die Branche dar. Wie kaum eine andere Branche haben die Kinos unter den Auswirkungen des weltweiten Lockdowns zu leiden. Als Erstes geschlossen und wohl mit die Letzten, die wieder öffnen dürfen, dann auch nur unter strengen Auflagen. Wird dies das Ende für die Kinos und ihre Mitarbeiter bedeuten oder gibt es mutige und innovative Wege aus dem Dilemma? Wir hätten da mal ein paar Vorschläge und Meinungen…

Wird es auch in Zukunft noch Kinos geben?

Mara:
Die kurze Antwort auf diese Frage lautet für mich ganz eindeutig: Ja. Ich denke allerdings durchaus, dass sich das Kino in Zukunft verändern und am Ende vielleicht dem heutigen Theater bzw. der Oper gar nicht mehr so unähnlich sein wird. Doch was meine ich damit? Heutzutage ist das Kino, trotz der oft als überteuert angesehenen Preise, nach wie vor auch ein Ort der Massenunterhaltung. Immer wieder kann man beobachten, dass viele Menschen einen Kinobesuch eher als „Ausgehen und sich mit Freunden treffen“ betrachten, als sich wirklich für den Film zu interessieren (eine Entwicklung, die vor allem bei Multiplexkinos zu beobachten ist). Das kann dann dazu führen, dass die Leute tratschen und/oder ihr Handy nicht in der Tasche lassen können. Solch ein Verhalten lässt auf der anderen Seite aber immer mehr Filminteressierte vor einem Kinobesuch zurückschrecken. Damit sinken die Besucherzahlen, was wiederum die Preise noch weiter in die Höhe treibt, was dann weiter auf Kosten der Besucherzahlen geht (obwohl hier natürlich auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen → siehe Frage 2). Deswegen denke ich, dass in fernerer Zukunft wohl nicht mehr so viele Kinos existieren werden, der Besuch dieser aber wieder mehr zum kulturellen Erlebnis wird, das man sich entweder leisten möchte oder eben nicht – eben wie beim Theater oder der Oper.

Ma-Go:

Kinos sind für mich wie Telefonzellen. In beiden riecht es oftmals eher unangenehm und beide haben meiner Meinung nach keine große Zukunft mehr. Wie die Kinos waren Telefonzellen zu früheren Zeiten eine geniale Sache. Heute sind die Telefonhäuschen unpraktisch, da die Menschen technisch in der Lage sind, ihre Anrufe mit dem eigenen Gerät zu tätigen. Genauso sind die meisten Menschen mittlerweile in der Lage, Filme auf ihrem eigenen Gerät, bequem in den eigenen vier Wänden oder sogar unterwegs zu sehen. Laut Wikipedia werden die Telefonzellen „in der Unterhaltung durch das Wachstum des Mobilfunks unwirtschaftlicher und sind nahezu aus dem Ortsbild verschwunden.“ Meiner Meinung nach werden Kinos in der Unterhaltung durch das Wachstum der Streaming-Dienste unwirtschaftlicher und werden nahezu aus dem Ortsbild verschwinden. Seit 2007 ist die Zahl der Telefonzellen in Deutschland übrigens von ca. 110.000 auf 17.000 im Jahr 2019 gesunken. Einen ähnlichen Rückgang erwarte ich auch bei den Kinos. Diese Zahlen zeigen aber auch, dass es, trotz aller Unwirtschaftlichkeit und geringem Bedarf seitens der Nutzer, nach wie vor vereinzelte Telefonzellen gibt. Manche sind sogar sehr schön, manche gelten als Kulturgut. Genauso wird es meiner Meinung nach auch bei den Kinos sein. Es wird sie auch in Zukunft geben. Allerdings deutlich weniger als bisher. Und das stört mich persönlich genauso wenig wie der Niedergang der Telefonzelle.

Stefffelowski:

Die derzeitige „Corona-Lage“ zeigt, dass die meisten von uns – und da will ich mich selbst gar nicht ausschließen – gut und gerne auf Kino verzichten können. Endlich einmal Zeit, die meterlange Watchlist zumindest im Ansatz abzuarbeiten und noch einmal ohne schlechtes Gewissen alle Staffeln von Lost und/oder GOT im Rewatch erleben. So weit die rationale Sichtweise. Aber da werde ich jetzt mal ganz emotional und sage es frei heraus: Liebes Kino, komm bald wieder, auch wenn du mich manchmal in den Wahnsinn treibst mit deinen Schachtelkinos, schmuddeligen Toiletten, nie funktionierenden Händetrocknern, unfreundlichem, wenig hilfsbereitem und stets schlecht gelauntem Personal. Mit all den Leuten, die aus den verschiedensten Gründen (Ich nenne nur ein paar der gängigsten Ärgernisse: zu spät, falscher Platz, Handy im Dauereinsatz, ständiges und vor allem lautes Kommentieren jeder Filmszene etc.) eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt attraktiver erscheinen lassen als den Besuch einer Filmvorstellung. Egal, Kino, ich brauche dich auch in Zukunft, ich kann nicht wirklich ohne dich sein. Wo sonst kann ich beinahe unerkannt beim Schluss von „Love Actually“ so wunderbar schluchzen, wenn sich auf dem Flughafen alle in die Arme fallen? Gibt es einen anderen Ort, an dem ich mich vom Bombast der Avengers-Filme erschlagen lassen kann und mich dabei fühle, als würde ich selbst in Tony Starks Rüstung stecken? Ist eine andere Location denkbar, in der ich minutenlang auf eine riesige Leinwand stiere, auf der 3 Minuten lang nichts weiter passiert, als dass sich in der flirrenden Hitze einer Wüstenlandschaft ein Reiter der Kamera nährt und sich dann endlich als Omar Sharif herausstellt? Unvergesslich, einfach wunderbar. Wo sonst könnte ich an Bord der „Orca“ auf die Jagd nach einem großen weißen Hai gehen und dabei regelrecht die Gischt der aufgepeitschten See im Gesicht spüren? Nee, das alles geht doch nur im Kino so richtig.  Geliebtes Kino, auch wenn du ein paar Dinge verändern könntest, stehe ich an deiner Seite. Auf ewig. Mindestens.

Wermi:

Auch von mir gibt es da ein klares Ja! Der Event-Charakter, den das Kino für Filme bietet, darf uns nicht abhanden kommen und nirgendwo ist die potentielle Immersion mit dem Medium so hoch, wie in dieser Vorführstätte. Das Handy wird ausgemacht, man setzt sich in einen abgedunkelten Saal und fokussiert all seine Sinne auf die Leinwand. Kino ist der Ort, wo sich noch auf Filme eingelassen werden muss. Damit vertrete ich eine durchaus romantisierte Vorstellung und ich bin mir auch bewusst, dass das alles so in einer perfekten Welt wünschenswert wäre, in unserer Realität jedoch nicht immer ablaufen muss. Dennoch sind es die Vorzüge, für die das Kino steht und in Zukunft dann hoffentlich auch mehr denn je. Schließlich müssen wir eine traurige Wahrheit definitiv schon mal akzeptieren: Die Anzahl an Lichtspielhäusern wird sichtlich schrumpfen und einige werden die Corona-Krise leider nicht überleben. In Zeiten, wo die größte Kinokette der USA kurz vorm Bankrott ist, kann man sich absolut sicher sein, dass die Branche auf dünnem Eis steht und daher wird man in Zukunft in den wenigen Kinos, die es noch geben wird, ihre Existenz hoffentlich noch mehr zu schätzen lernen. Und sind wir mal ehrlich, ich möchte es nicht missen, Augenweiden wie Tenet oder Dune auf der großen Leinwand mit dem audiovisuell bestmöglichen Ergebnis zu erleben, statt auf der Couch vor dem im Fortschritt der technischen Möglichkeiten immer noch recht eingeschränkten Fernseher.

 

Was müssen Kinos verändern, um sich gegen die Konkurrenz der Streaming-Dienste zu behaupten? 

Mara:
Bei der ersten Frage habe ich gerade gesagt, dass ich davon ausgehe, dass es Kinos in Zukunft auch weiterhin geben wird, dass diese sich aber, unter anderem aufgrund niedrigerer Besucherzahlen, wohl ein wenig umorientieren werden. All diese oben angestellten Überlegungen beziehen sich allerdings auf eine etwas entferntere Zukunft. Momentan schaut es aber eher so aus, dass die Kinobetreiber nach Wegen suchen, damit ihnen die wie Pilze aus dem Boden schießenden Streaming-Dienste nicht vollkommen den Rang ablaufen. Meiner Meinung nach gäbe es ein paar sehr einfache Mittel, wie die Betreiber das Erlebnis „Kino“ wieder aufwerten könnte, sodass vielleicht sogar das ein oder andere „verlorene Schaf“ seine Leidenschaft für die Lichtspielhäuser neu entdecken könnte. Eine Sache, die gleich mehrere Probleme auf einmal beseitigen würde, wäre zum Beispiel die eigene Hausordnung tatsächlich zu exekutieren, soll heißen, es muss ein Saalordner her und wer sich zu ungut aufführt fliegt einfach raus. Damit wären die Quasselstrippen und Handy-Dauernutzer schon mal „beseitigt“. Weiters könnte dieser Saalordner auch gleich überprüfen, ob alles richtig läuft und allfällig Störungen bei der Bild- oder Tonqualität weiterleiten, sodass diese schnell behoben werden. Außerdem ist Sauberkeit auch immer ein wichtiges Thema, also zwischen den Filmen vielleicht ein paar Minuten mehr einplanen, so freuen sich die Besucher, weil sie nicht durch Popcornberge oder ähnliches waten müssen. Klar könnte man jetzt auch noch die Preisgestaltung bei Kinokarten, Knabbereien und Getränken hier erwähnen, aber ich denke tatsächlich, dass dies einer der vernachlässigbareren Punkte ist, denn wenn das Filmerlebnis endlich wieder ein echtes „Erlebnis“ wäre, dann wären sicher auch mehr Leute wieder bereit, sich einen Kinobesuch zu gönnen.

Ma-Go:

Wenn es um mich persönlich geht, wäre es sehr hilfreich das kulinarische Angebot in den Kinos zu reduzieren. Denn ich finde den Geruchmix von Popcorn, Nachos und neuerdings auch immer häufiger Bier unfassbar unangenehm. Wenn dann Kinobesucher von außen noch Döner und ähnliches mitbringen, wird der Kinobesuch für mich dann schnell zum Ärgernis. Nun hat mir mein umfassend informierter Freund Benjamin, der eine Zeit lang im Kino gearbeitet hat, erklärt, dass die Kinos einen Großteil ihres Gewinns aus dem gastronomischen Angebot generieren. Insofern wäre eine Änderung an der Stelle wohl eher kontraproduktiv. Deswegen könnte ich mir vorstellen, dass die Zukunft des Kinos in einer Form des Flatrate-Ticketing liegt. Gerade wenn man an Familien denkt, ist ein Kinobesuch für viele Menschen in Deutschland mittlerweile ein finanzielles Abenteuer. Eine vierköpfige Familie zahlt für den gemeinsamen Gang in einen Kinderfilm, inklusive Popcorn und Getränke, zwischen 30 und 40 Euro. Für diesen Betrag kann man, gerade mit Kindern, tagesfüllendere Aktivitäten unternehmen und das Filmvergnügen dann auf den gemütlichen Abend auf der Couch verlegen. Mit einer Flatrate ließen sich sicherlich mehr Familien mit Kindern in die Kinos locken. Für die Tickets wäre ein flexibles Preissystem denkbar. Beispielsweise die Family-Card für 50€/mtl., gültig nur in Begleitung eines Kindes zwischen 14 und 18 Uhr. Die Gold-Card für Gelegenheitsgucker und die All-Inklusive-Diamond-Card für Hardcore-Kinofans. Aus meiner Sicht wäre es für Kinos auch dringend ratsam, Kooperationen mit Streaming Anbietern einzugehen. So könnte Disney+ beispielsweise eine Art Special-Abo anbieten, im Rahmen dessen Kunden freien oder stark reduzierten Zugang zu Disney-Kinofilmen erhalten. Die Kinos bekommen dann einen prozentualen Anteil an jedem abgeschlossenen Abo und kassieren die Einnahmen aus dem gastronomischen Bereich.

 

Wermi:

Natürlich ist es schwierig vorauszusagen, wie die aktuelle Krise samt Social-Distancing sich weiterentwickelt, aber wenn wir von einem positiven Verlauf mal ausgehen, dann sollte das Kino sich seiner vorangegangenen Attraktivität bewusst machen und diese fördern. In einer Welt, wo wir wieder mit Freunden ausgehen können und sich langsam aber sicher anderen Menschen angenähert werden kann, sollten die Lichtspielhäuser ihre Karten ausspielen und wieder zum Ort werden, wohin man sich verabredet. Um ihre Zukunft zu sichern, muss das Kino sicherstellen, junge Menschen wieder ins Boot zu holen, damit sie es in ihr Bewusstsein aufnehmen. Verstärkung von Aktionen für Schüler, Studenten oder Familien mit Kindern wären ein Anfang oder eben auch einfach von Gruppentickets. Es könnten Events mit gezielten Filmen geplant werden, wie zuvor schon oft mit Kindervorstellungen, aber eben auch für Jugendliche. In einer Zeit, in der man außerdem durch ein Abonnement eine große Auswahl an Filmen jederzeit zum Streamen hat und dieses Modell in andere Branchen übergreift (z.B. im Gaming-Bereich wird dies immer mehr in Betracht gezogen), könnten auch vermehrt die Kinos Flatrates, Abos, Mitgliedschaften oder so etwas wie z.B. 10er-Karten ins Auge fassen. Im nächsten Schritt müsste man dazu dann natürlich auch sagen, dass die gesamte Filmbranche sich dazu solidarisch zeigen muss, damit die Kinos das Ganze nicht alleine stemmen müssen. Es wird schwierig sein, weiterhin so hohe Ticketpreise zu fordern, an denen Kinos ohnehin sehr geringe Anteile haben, da wird es definitiv eine Umorientierung geben müssen und da müssen Filmstudios, -verleiher und die letztendlichen -vorführer in einen Dialog treten, um gemeinsam auf ein attraktiveres Ergebnis zu stoßen, dass sich eben langfristig orientiert und eine Zeit in Aussicht stellt, in denen Kinos wieder aufblühen.

Steffelowski:

Die sich ständig vergrößernde Anzahl von Streaming Plattformen mit ihrem vielfältigen Angeboten bietet etwas für jeden Geschmack. Action, Comedy, Drama, Horror. Beinahe jedes Filmgenre wird, mit mehr oder weniger hochwertigen Produktionen, als Film oder als Serie bedient. Alles ist schnell und rund um die Uhr erreichbar. Hier kann das klassische Kino auf Sicht nur verlieren. Die Gesellschaft befindet sich bereits seit einigen Jahren in einem „Cocooning“ genannten Prozess, der darauf hinausläuft, dass die Menschen immer seltener ihre Behausung verlassen und ihre Freizeit überwiegend zuhause verbringen. Dank diverser Onlinedienste lässt sich beinahe alles nach Hause liefern, Kontakt zu Freunden findet über WhatsApp oder Skype statt. Außer Haus findet nur noch das besondere Event statt. Und genau hier sehe ich die Chance für das Kino. Weg vom Mainstream, hin zum Besonderen. Weniger Blockbuster auf der Leinwand und wenn, dann aber auch nur das Allerbeste. Der neue Bond, der neue Nolan und ähnliche Highlights. Diese besonderen Ereignis dann im Wechsel mit kleinen und anspruchsvollen Produktionen, die sich an eine andere Klientel wenden und die im Strudel der Massenware auf Amazon Prime oder Sky untergehen würden. Das Kino sollte den Schritt weg vom Familien-Entertainment wagen und versuchen, ein anderes, reiferes Publikum anzusprechen, zumal die demographische Entwicklung ganz eindeutig auf eine Überalterung unserer Gesellschaft hindeutet. Auch wenn der Begriff der „Altersarmut“ immer wieder durch die Medien geistert und ganz sicher auch nicht von der Hand zu weisen ist, sind auf Sicht viele ältere Menschen finanziell so aufgestellt, dass Sie für Kultur durchaus Geld ausgeben können und auch dazu bereit sind. Sicher ist die Corona-Pandemie eine ganz besondere Bewährungsprobe für die Kinos, und nicht alle werden die Krise überstehen. Aber vielleicht führt diese Zäsur auch dazu, dass darüber nachgedacht wird, wie das Kino der Zukunft aussehen kann.

 

Liebe Leserschaft,

das waren unsere Gedanken und Ideen zur Zukunft des Kinos. Nun interessiert uns natürlich, was ihr dazu zu sagen habt. Welchen Punkten stimmt ihr zu? An welcher Stelle würdet ihr widersprechen. Hat ihr eigene Standpunkte und Anregungen zu dem Thema? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. Auf eine muntere Diskussion!

Euer Klappe!-Team

12 Gedanken zu “Klappe Auf: Die Zukunft des Kinos

  1. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine Telefonzelle (so als Häuschen) gesehen habe. Ich könnte schwören, in Berlin gibt’s keine und auch öffentliche Telefone habe ich ewig nicht mehr gesehen – aber gut, wenn man keines benötigt, fallen sie einem vielleicht auch nicht auf. Wirklich 17.000 gab es letztes Jahr noch? Wahnsinn. Der Kinobranche ging es ja schon vor Corona sehr schlecht und jetzt wird es wohl unweigerlich zum Kinosterben kommen. Traurig, ich hoffe, ein paar der Guten (für mich die Programmkinos, die genau auswählen, was sie zeigen) schaffen es, zu überleben.

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    • Ich weiß, dass bei uns fünf der 17.000 stehen. 😉 Zwei davon wurden jedoch zu „Büchertauschstationen“ umgewandelt. Jeder der möchte, kann dort gelesene Bücher ablegen und sich die von anderen Leuten kostenlos mitnehmen. Ob die anderen noch im Betrieb sind, weiß ich nicht.

      „Der Kinobranche ging es ja schon vor Corona sehr schlecht und jetzt wird es wohl unweigerlich zum Kinosterben kommen.“

      Da sprichst du etwas Trauriges, aber auf jeden Fall sehr Wahres an: Wenn man mit Leuten spricht, bekommt man manchmal den Eindruck, Corona (oder die Maßnahmen dagegen) hätte die Kinos auf dem Gewissen. Tatsächlich waren gerade die kleinen Kinos schon vor der Krise quasi pleite, weil die große Mehrheit der Menschen, zumindest in Deutschland, nicht (mehr) so oft ins Kino geht. Die Krise war ketztendlich „nur“ der letzte Sargnagel.

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      • Oh, das mit den Bücherstationen ist auch ein Trend, den ich in letzter Zeit beobachte…allerdings nicht in Telefonzellen. 😳 Letztens waren wir auf dem Land in Schleswig-Holstein, da haben ganz viele ihre gelesenen Bücher auf ein Tischchen vor ihre Haustür gelegt. Für einen Euro pro Buch hätte man sich da bedienen können. Definitiv werde ich jetzt mal mit offenen Augen durch die Stadt laufen und nach Telefonzellen Ausschau halten. 😄

        Wobei Corona auch die vielen (teils unprofessionell aufgezogenen) Autokinos hervorgebracht hat. Darunter waren auch viele, die dachten, sie würden damit schnell viel verdienen. Vielleicht müssen neue Konzepte her, um das Überleben der Kinos irgendwie zu garantieren.

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      • Telefonzellen gibt es bei uns schon lange nicht nicht. Zumindest das, dass man landläufig als Solche bezeichnet. Lediglich rund um unseren Hauptbahnhof gibt es noch so etwas sie „Telefonmuscheln“, würde ich es mal nennen. Sehen aus wie eine aufrecht stehende Muscheln, in der der ein Telefon („öffentlicher Fernsprecher“) angebracht ist. Allerdings nur mit Telefonkarte, mit Münzen nicht zu benutzen. Bei diesen Karten wüsste ich schon mal gar nicht, wo man die denn herbekommt….
        In Sachen Büchertausch wird hier die mobile Variante gefahren. Ausgelesene Bücher lässt man einfach in der U-Bahn liegen, und wer mag, der kann sich bedienen. Hier ist dann im er die Abgrenzung schwierig, wer das Buch aus Schusseligkeit oder mit Absicht hat liegen lassen 😊 Ich persönlich hätte da immer irgndewie ein Problem mit, irgendwelche Bücher von Fremden an mich zu nehmen. Aber vielleicht bin ich da auch nur etwas zu pingelig.
        Ja, das Kinosterben wird -ob nun im Kausalzusammenhang mit Corona oder nicht – leider nicht ausbleiben. Die großen Ketten werden es wohl einigermaßen wegstecken können. Leidtragende werden die kleinen Kinos sein, denen nach so langer Zeit ganz einfach die Luft ausgehen wird, egal wie viele Gutscheine seit der Schließung gekauft wurden. Leider. In den Großstädten haben die Programmkinos meist eine feste Anhängerschaft, die ganz sicher in vielen Fällen (auch weil die Kinos meist in den hippen Stadteilen, mit finaziell gut aufgestellter Klientel, gelegen sind) schon weiß , wie man sich für den Erhalt des Lieblingskinos richtig einsetzt. Über die Klinge springen werden hauptsächlich die wenigen am Stadtrand oder in kleinernen Orten gelegenen Filmtheater. 😞

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  2. Etwas seltsam, dass in einem Artikel über das Kino die einzige Zahl, die irgendetwas belegt (wenn auch ohne Quelle), sich um Telefonzellen dreht. Ein Vergleich, der in meinen Augen einen Gehstock benötigt, da man zu einer Zeit, bevor jeder ein Handy hatte, eine Telefonzelle fast zwingend benötigte, um einen Anruf außerhalb der eigenen Wohnung zu tätigen. Nimmt man dagegen den Fernseher (quasi das Handy), der das Kino hätte ablösen können oder das Internet, seit wann gibt es die in so gut wie jedem Haushalt? Und hat es dem Kino allgemein geschadet? Glaubt man den Zahlen, eher in geringem Maße:
    https://www.insidekino.de/DBO.htm#JAHRES_&_ALL-TIME_CHARTS_

    Einzelne Kinos leiden sicherlich, aber das große Kinosterben an sich sehe ich persönlich nicht. Erst recht nicht vor Corona. Und auch das geht im besten Fall bald wieder vorbei.

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    • Wenn du dir die Zahlen anschaust, siehst du, dass die Besucherzahlen seit 2000 von über 150 Mio pro Jahr auf unter 120 Mio pro Jahr gesunken sind. Rechne 10 Jahre drauf und die Zahl liegt bei unter 100 Mio. Vorausgesetzt der Trend setzt sich fort, was er meiner Einschätzung nach tun wird.

      Die Tabelle zeigt auch sehr schön wie die Kosten/Preise sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (von 5€ auf 8€). Auch da ist meine subjektive Wahrnehmung so, dass die Leute das nicht mehr länger zahlen wollen/können.

      Ich kenne ein Kino hier in der Gegend, das quasi immer für höchstens 10 Leute spielt. Der Betreiber hat mal gemeint, dass sich das eigentlich gar nicht lohnt. Kann sein, dass das eine Ausnahme ist, kann mir das aber irgendwie nicht vorstellen.

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      • Wenn Quellen so interpretiert werden, ist es vielleicht besser, dass ihr keine zurate zieht. Du kannst die Zahlen auch mit dem Schnitt der 90er oder 80er vergleichen. Oder du kannst dich fragen, wieso Anfang der 2000er ein Kinoboom war. Meine Antwort lautet Harry Potter und Herr der Ringe. Wird es nochmal zwei solcher Phänomene geben? Wer weiß das schon. Aber sich da zwei kurze Abschnitte rauspicken, um einen Trend festzustellen, geht etwas kurz, wenn man nur ein paar Jahre weiter zurückgehen muss, um ein anderes Bild zu haben. Daher kann man auch nicht einfach zehn Jahre drauf rechnen. Bzw. kann man, aber ich würde das anhand dieser Zahlen nicht tun.

        Die Preise steigen. Nur auch hier bleiben die Besucherzahlen in Vergleich zu Anfang der 90er z.B. gleich. Also auch hier ist es schwierig zu sagen, dass das an den Preisen liegt. Wenn man jetzt noch Inflation, Lohnentwicklung, Währungsumstellung reinrechnet, ungleich schwerer.

        Ich kenne auch zwei Kinos. Eines lebt zur Zeit von Spenden, das andere hat Rücklagen bis zum Sanktnimmerleinstag. Würde ich von den beiden auf die Kinolandschaft Deutschland schließen? Nein. Die Besucherzahlen sinken jedenfalls nicht wirklich (wenn man nicht nur den Boom als Vergleich heranzieht).

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        • Ich sehe da auch gar keinen so schwerwiegenden Negativtrend. Für mich ist grundsätzlich die Kinokultur in Deutschland eben nicht so stark gewesen, da brauch man die Zahlen nur mal mit nem Land wie Frankreich vergleichen, die fast 20 Mio. Einwohner weniger haben. Und für mich bringt die Coronakrise diese Kultur, die nicht auf den stärksten Beinen steht, zum Wackeln. Sicherlich wird da das Ziel erstmal sein, an die Zahlen der Vorjahre in Deutschland überhaupt heranzureichen wenn die Krise rum ist. Spannend wird einfach, ob sich die Zahlen wieder normalisieren, ohne dass es irgendwelche Änderungen gibt

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        • „Du kannst die Zahlen auch mit dem Schnitt der 90er oder 80er vergleichen.“

          Ganz genau das kann ich tun. Und wenn ich das mache, sehe ich, dass die Daten ähnlich sind. Das heißt die Zuschauerzahlen sind jetzt ungefähr so hoch wie beim Tiefpunkt der Kurve. Da kann man schon von einer Talsohle sprechen.

          Genauso gut kann man die Zahlen von heute auch mit denen der 50er und 60er Jahre vergleichen. Da waren sie ca viermal so hoch wie heute. Auch das hat Gründe, ist aber erst mal ein Fakt.

          Genauso dass die Kurve generell nach unten zeigt. Dass es eine Zeitspanne gab, in der er es ähnlich viel/wenig war, ist sicher richtig, macht das Ergebnis aber nicht besser

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    • Nachtrag: Sich Die Verbreitung des Fernsehers oder des Internets zu betrachten macht nicht so viel Sinn, weil man damit nicht die neuesten Filme (legal) sehen konnte. Das geht erst seit Netflix und Co.
      Wie lange gibt es das schon? Vielleicht in der Verbreitung wie heute noch nicht lange genug, um die Effekte richtig messen zu können.

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      • Das kannst du mit Netflix in Deutschland auch nicht. Die Auswertungsfenster, was wann auf DVD, im Streaming, im TV kommen darf, ist nach wie vor festgelegt. Ausnahme: Corona. Mein Vergleich passt nicht zu 100%, macht deine Telefonzelle aber auch nicht passender 😉

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  3. Wenn ich Ma Gos Telefonzellen Bild folge, dann gibt es Kinos bald also nur noch am Hauptbahnhof unter nicht geschlossenen Plexiglaskuppeln, das Kassenäuschen mit Kaugummi zugeklebt und irgendwer hat die Leinwand abgeschnitten und mitgenommen. The Return of the Bahhofskno! 😉

    Ich finde es selbst ganz furchtbar schwierig einzuschätzen, wo die Kinos hingehen. Ohne die Krise hätte ihnen Streaming, mMn. ähnlich wie Fernsehen und Heimmdium kurzfristig wenig geschadet. Aber nun, wo viele Zuschauer merken, es geht auch zu Hause? Womöglich werden sie zu reinen Blockbusterpalästen. Aber ob das zukunftssicher ist?

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