Call Me by Your Name (2017)

  • Originaltitel: Call Me by Your Name
  • Regie: Luca Guadagnino
  • Schauspieler: Armie Hammer, Timothée Chalamet
  • Genre: Drama, Liebesfilm, Literaturverfilmung
  • Land: Italien, Frankreich, USA, Brasilien

„Oliver“, „Elio“ – nach wie vor höre ich, wie sich Armie Hammer und Timothée Chalamet leise und zärtlich gegenseitig bei ihren Namen nennen, sobald ich an diese Literaturverfilmung aus dem Jahr 2017 denke. Doch nicht nur die Stimmen der beiden Hauptdarsteller kommen mir sofort wieder in den Sinn, wundervolle Bilder von einem heißen Sommer in Italien, träumerisch melancholische Klänge aus der Feder Sufjan Stevens, und natürlich ein reifer Pfirsich, in den ich aber lieber nicht hineinbeißen wollte. Und damit ein freundliches „Hallo“ zu diesem Beitrag, in dem ich versuchen möchte euch zu erklären, wieso ich diesen Film für ein absolutes Meisterwerk halte, das man sich als Filmliebhaber auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Wie ihr bereits in der Einleitung mitbekommen habt, gibt es einige Elemente, die mir an „Call Me by Your Name“ besonders gut gefallen haben. Und weil ich ihnen schon die ersten Worte gewidmet habe, beschäftigen wir uns doch gleich einmal mit Armie Hammer als „Oliver“ und Timothée Chalamet als „Elio“. Diese beiden erleben in den 80-ern eine Sommerromanze in Norditalien, die ihnen tiefer unter die Haut gehen sollte, als es beide für möglich gehalten hätten. Gerade der ältere Oliver, der eigentlich eine feste Freundin hat, scheint immer wieder über die Heftigkeit seiner Gefühle für den 17-jährigen Elio verwundert zu sein, weshalb er diese auch nur schwer in ihrer ganzen Tragweite zulassen kann. Elio hingegen stürzt sich, seinem Alter entsprechend, mit voller Intensität in seine erste große Liebe. Man merkt also, ein Drehbuch, das den Schauspielern alles abverlangt, da es vordergründig lediglich um eine Sommeraffäre geht und es somit in einem hohen Maß auf das Können der Darsteller ankommt, um dem Ganzen eine tiefere Ebene zu spendieren. Und hier kann ich nur den Hut vor den beiden oben Genannten ziehen, denn nicht nur die Beziehung der beiden wirkt in jedem Moment glaubhaft, sondern man kann auch jede noch so kleinste Gefühlsregung in ihren Gesichtern ablesen – das ist wirklich große Schauspielkunst. Nicht umsonst war Chalamet bei den betreffenden Oscars als „Bester Hauptdarsteller“ nominiert – wieso allerdings Hammer keine Nominierung erhalten hatte, ist mir noch immer ein Rätsel, stehen sich die beiden doch hier wirklich in nichts nach.
Wenn man allerdings über die schauspielerischen Leistungen in diesem Film spricht, darf man einen dritten Mann auf keinen Fall unerwähnt lassen: Michael Stuhlbarg. Es gibt wohl zur Zeit kaum einen Darsteller, der mehr aus seinen Rollen (gerade aus den kleinen) herausholt, als dieser Mann. Und auch hier liefert er gegen Ende des Films einen Monolog, der einem die Tränen in die Augen treibt, und den man so schnell nicht wieder vergisst.

Doch die Schauspieler sind natürlich nicht die einzige Zutat, derer es bedarf, um ein echtes Meisterwerk zu kreieren. Auch die Inszenierung muss stimmen und stimmig sein. Gerade zweiteres gelingt Regisseur Luca Guadagnino hervorragend. Wenn des Mittags die Sonne auf Land und Leute niederbrennt und sich alles lethargisch zum Ruhen in den Schatten begibt, spürt man als Zuschauer förmlich die Hitze auf der eigenen Haut und beobachtet etwas trunken das vor sich hin mäandernde Treiben. Bringt die Nacht dann die ersehnte Abkühlung, erwacht sowohl der Zuschauer als auch die Inszenierung aus der Trance und die Dinge kommen in Bewegung.

Untermalt wird das Ganze dann noch von einem Soundtrack, der zu jedem Zeitpunkt die Stimmung perfekt einfängt und wiedergibt, der am Ende mit den Bildern so sehr zu einer Einheit verschmilzt, dass man bloß ein paar Takte der wundervollen Musik hören muss, um im Kopf erneut in Italien zu sein und dieses eindringliche Gefühlschaos zwischen Heiterkeit, Verliebtheit, Melancholie und Traurigkeit abermals zu erleben.

Neben den hervorragenden Schauspielern und der tadellosen Inszenierung kann sich der Film meiner Meinung nach aber noch ein weiteres Sternchen in seinem Heft sichern, denn ihm gelingt ein Kunststück, dass nur wenigen Literaturverfilmungen bisher gelungen ist: Er übertrifft seine gedruckte Vorlage sogar noch (zumindest in meinen Augen). Das liegt einerseits daran, dass Drehbuchautor James Ivory offenbar sehr genau verstanden hat, welche Elemente des Buches wie in filmischer Form funktionieren können, und andererseits daran, dass der Film ein Kapitel früher als das Buch endet, sich also quasi den Epilog spart, und dadurch für mich, in Anbetracht der erzählten Geschichte, das rundere Ende bietet.

Doch es sind nicht nur all diese einzelnen Elemente, die den Film zu so etwas Besonderem werden lassen, es ist viel mehr die Tatsache, dass alles am Ende mehr ergibt als die Summe dieser Teile. Es lässt sich schwer in Worte fassen, doch wer sich dem Film öffnet, wird schnell verstehen, was ich damit meine – es ist etwas, dass sich nicht messen, nicht herausstellen und nur schwer in Worte fassen lässt, das diesen Film für mich so außergewöhnlich macht – es ist ein Gefühl, dass mich überkommt, dass sich tief in meiner Seele festsetzt und auch noch nach dem Abspann hoffnungsvoll auf der Couch zurücklässt.

9 Gedanken zu “Call Me by Your Name (2017)

  1. Das war nicht so mein Film. Tolle Schauspieler (vor allem Armie Hammer fand ich super, Chalamet ging mir ein wenig auf den Keks), tolle Atmosphäre… aber so richtig ist der Funke bei mir nicht übergegangen. Mir war der Film irgendwann auch einfach zu lang… und dass dazu jetzt noch ne Fortsetzung kommen soll, finde ich echt merkwürdig

    Gefällt 4 Personen

    • Ja, wenn eine ein Film nicht wirklich kriegt, dann kann es natürlich schnell mal lang werden. Die Fortsetzung erklärt sich übrigens aus dem letzten Kapitel vom Buch, dass bei der Verfilmung weggelassen wurde. Ob man daraus wirklich einen eigenen Filme hätte machen müssen, seh ich auch eher kritisch, aber ich hab mich gefreut, dass sie sich beim Film dazu entschieden haben, das Kapitel wegzulassen weil es sich irgendwie schon im Buch eigentlich nur wie ein unnötiges Anhängsel anfühlt.

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