Vom Virus zum „Planet der Affen“

Wenn man über (tödliche) Viren in Filmen sprechen möchte, kommt man früher oder später an der „Planet der Affen“-Prequelreihe nicht vorbei. Denn auch wenn uns die ursprüngliche Romanvorlage gar nichts und Franklin J. Schaffners Verfilmung aus dem Jahr 1968 etwas anderes darüber erzählt, wie es zur Herrschaft der Affen auf der Erde kommen konnte, nahm das Ende der menschlichen Zivilisation in den drei Prequelfilmen „Planet der Affen: Prevolution“ (2011), „Planet der Affen: Revolution“ (2014) und „Planet der Affen: Survival“ (2017) mit einem scheinbar harmlosen Virus seinen Anfang.

Hinweis: Im folgenden Text wird explizit auf den Virus betreffende Aspekte der Handlung eingegangen. Schicksale der Figuren oder andere Teile der Handlung werden außen vor gelassen.

Die drei genannten Prequels erzählen die Vorgeschichte zum Originalfilm aus dem Jahr 1968, in dem angedeutet wird, dass die Menschen, ganz dem Zeitgeist des Entstehungszeitraums entsprechend, durch einen Atomkrieg die Erde zerstört und ihre eigene Zivilisation ausgelöscht haben. In der recht skurrilen Fortsetzung „Rückkehr zum Planet der Affen“ (1970) von Ted Post, wird diese Erklärung dann bestätigt. Die Prequeltrilogie ignoriert diese Erklärung jedoch und erzählt ihre eigene Geschichte. Auch wenn die Viruspandemie in den drei Filmen nicht im Vordergrund steht, immerhin stehen die Affen im Mittelpunkt und nicht die Menschen, zeigt das Beispiel der „Planet der Affen“-Reihe die wesentlichen Fehler der Menschen im Umgang mit Viren und ihrer Umwelt im Allgemeinen.

In „Planet der Affen: Prevolution“, dem Auftakt der Reihe, geht es um den Schimpansen Caesar, der sich im Laufe der Handlung zum Anführern und Befreier der Affen entwickelt. Der Film beginnt mit dem Wissenschaftler Will Rodman (James Franco), der für ein Pharmaunternehmen ein Heilmittel gegen Alzheimer entwickelt. Dabei handelt es sich um den synthetischen Virus ALZ-112, der bewirkt, dass sich das Gehirn selbst regenieren kann. Wie die meisten Medikamente wird auch ALZ-112 an Affen getestet. Ein schwangeres Labortier vererbt diesen Virus an ihr Junges, eben genannten Caesar, das in Rodmans Obhut enorme kognitive Fähigkeiten entwickelt. Auch beim Menschen schlägt das Medikament zunächst positiv an und die Alzheimer-Krankheit scheint geheilt. Allerdings entwickeln Patienten schon bald Antikörper gegen das Virus und werden rückfällig. Rodman forscht daraufhin weiter und entwickelt eine verbesserte Verion des Virus, das ALZ-113. Im Labor infiziert sich versehentlich ein Mitarbeiter mit dem noch ungetesteten Virus, das ,wie sich herausstellt, für den Menschen tödliche Nebenwirkungen hat. Erst einmal aus dem Labor getragen, verbreitet sich das Virus schnell auf der ganzen Welt und tötet einen Großteil der menschlichen Weltbevölkerung. Affen hingegen sind gegen das Virus immun. Da der Film seinen Fokus auf die Affen legt, wirken die Medikamententests an den Labortieren teilweise grausam und unmenschlich. Das Leben der Affen ist weniger wert als das der Menschen und wird quasi für die Wissenschaft geopfert. Auch im Umgang mit dem Virus zeigt sich die Tendenz des Menschen, sich selbst zu überschätzen, da er denkt, die Natur in Form eines Virus für seine Zwecke manipulieren zu können.

In „Planet der Affen: Revolution„, dem zweiten Teil der Reihe, zeigt sich, dass ein paar wenige Menschen genetisch immun gegen das ALZ-113 Virus sind und die globale Pandemie überlebt haben. Die durch den Virus verursachte tödlich verlaufende Krankheit wird von den Menschen mit dem Namen „Affengrippe“ bezeichnet. Hierbei handelt es sich um ein sehr gutes Beispiel dafür, auf welche Weise die Sprache das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst. Die Bezeichnung „Affengrippe“ suggeriert, dass die Affen die Überträger der Krankheit seien und damit Schuld am Tod von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt hätten. Aus dem ersten Teil weiß der Zuschauer jedoch, dass das Virus tatsächlich von Menschenhand erschaffen wurde und die Affen nur zufällig genetisch immun dagegen sind. Der auf diesem Irrglauben basierende Hass gegen die Affen seitens der Menschen führt in „Planet der Affen: Revolution“ dann zu einem Konflikt, der letztendlich im Krieg zwischen den Rassen mündet. Auch in der aktuellen Lage, in der wir zum Glück von Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen weit entfernt sind, zeigt sich wie die in den Medien benutze Sprache die Menschen verunsichert und zu unvernünftigen Handlungen treibt.

Im dritten Teil der Reihe, „Planet der Affen: Survival„, ist der Krieg zwischen Affen und Menschen in vollem Gange. Im Laufe des Films kommt zudem heraus, dass das ALZ-113 Virus über die Jahre mutiert ist und dass sich nun auch die bis dato immunen Überlebenden infizieren können. Das mutierte Virus wirkt nun nicht mehr tödlich, sondern bewirkt eine Degeneration des Gehirns, die zunächst zum Sprachverlust und letztendlich zur Rückentwicklung zu einer primitiven Spezies führt. Mit dieser Entwicklung schließt sich dann der Kreis zur Ausgangslage des 1968er Films, in dem Menschen und Affen gewissermaßen die Entwicklungsstufen getauscht haben. Erstaunlich ist hierbei, dass man im deutschen Sprachraum dem Muster der Titelgebung der Filme nicht treu geblieben ist. So hätte nach „Prevolution“ und „Revolution“ im dritten Film der Zusatz „Evolution“ perfekt gepasst. Immerhin ist es im Sinne der Evolutionstheorie am Ende der Reihe die am besten an die vorherrschenden Bedingungen angepasste Rasse, die den Krieg um den Planeten der Affen für sich entscheidet.

Das Besondere an der „Planet der Affen“-Reihe ist, dass der Zuschauer die Handlung durch Caesars Augen sieht. Die Menschen werden im Laufe der Geschichte mehr und mehr zu Randfiguren und schließlich sogar zum Feind. Aufgrund der Erzählstruktur sympathisiert das Publikum mit den Affen, sodass der Niedergang der Menschheit, im Gegensatz zu anderen Filmen, in denen eine Pandemie ausbricht, nie als Bedrohung oder überhaupt etwas Schlimmes erlebt wird. In den entscheidenden Momenten sind es die Affen, die mehr Menschlichkeit an den Tag legen als die Menschen selbst. Tierversuche und der sadistische Umgang mit den in Gefangenschaft lebenden Tieren lassen die menschlichen Figuren der Filme in ein negatives Licht rücken. Der Mensch entwickelt ein Virus, da er sich der Natur nicht beugen will, am Ende verliert er jedoch die Kontrolle und muss sich der Evolution geschlagen geben. Was ursprünglich als Heilung gedacht war, führt letztendlich zum Untergang einer ganzen Kultur und Zivilisation. Und dennoch steht am Ende der Reihe ein Triumph.

 

 

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4 Gedanken zu “Vom Virus zum „Planet der Affen“

    • Ich finde auch, dass hier nichts gespoilert wird 🙂 Hier werden bloß die Grundtöne der einzelnen Filme besprochen und nicht unbedingt irgendwelche Entwicklungen der Handlung. Die Reihe ist aber absolut sehenswert und ich mag sie nicht bloß wegen ihrer visuellen Stärken

      Gefällt 3 Personen

  1. Pingback: Die 8 besten „Seuchenfilme“ | Klappe!

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