Whiplash (2014)

  • Originaltitel: Whiplash
  • Regie: Damien Chazelle
  • Schauspieler: Miles Teller, J. K. Simmons
  • Genre: Musikerdrama
  • Land: USA

Wer kennt ihn nicht? Den Traum ein gefeierter Star zu sein. Egal ob Sportlerin, Schauspieler, Rockstar, Sänger oder Youtuberin. Die meisten von uns haben oder hatten in irgendeiner Phase ihres Lebens den Traum, auf einem bestimmten Gebiet bekannt und berühmt zu werden. Bei den meisten Menschen bleibt es bei einem Traum, der bald der Realität weicht und nur die wenigsten widmen sich tatsächlich der Verwirklichung dieses Traums.

Der junge Schlagzeuger Andrew gehört zu der zweiten Gruppe von Menschen. Er möchte einer der größten Schlagzeuger seiner Zeit werden und ordnet diesem Ziel alles unter. Um in der Band eines angesehen Musikkonservatoriums zu spielen, begibt er sich unter die Fittiche des tyrannischen Dozenten Terence Fletcher, der seine Schüler an die Grenze des Zumutbaren treibt, um das Maximale aus ihnen herauszuholen.

Whiplash ist für mich einer dieser Filme, die man mit allen Sinnen wahrnimmt. Man sieht die beiden grandiosen Hauptdarsteller Miles Teller und J. K. Simmons, hört und fühlt den pulsierenden Beat des Schlagzeugs und den elektrisierenden Rhythmus der Jazz-Band und kann Andrews investierten Schweiß, die Tränen und das Blut förmlich riechen und schmecken.

Dank der tollen Aufnahmen, des grandiosen Tons und Andrews intensiven Schlagzeugspiels beim Üben und bei der Bandprobe, ist die Energie der Musik förmlich spürbar. Auch als Jazzmuffel, wie ich einer bin, packt es einen da einfach irgendwann. Neben dem coolen musikalischen Aspekt des Films brilliert J. K. Simmons hier in seiner Rolle als charismatischer, gleichzeitig aber auch bedrohlich und einschüchternd wirkender Mentor Terrence Fletcher, was ihm völlig zu Recht den Oscar als Bester Nebendarsteller 2015 einbrachte.

Fletcher ist mit blankrasiertem Schädel und durchtrainiertem Oberkörper die personifizierte Disziplin und Perfektion, die ehrgeizige Menschen wie Andrew antreibt. Durch seine enorme Ausstrahlung und Präsenz, so wie z. T. heftige verbale und physische Entgleisungen gegen seine Schüler, treibt Fletcher seine Musiker an ihre körperlichen, psychischen und musikalischen Grenzen. Dabei verzichtet Regisseur Damien Chazelle auf ein ausgiebiges Charakterportrait seines Antagonisten. Über den Mann hinter der Fassade erhält der Zuschauer nur sehr spärliche Informationen. Die wenigen vorhandenen reichen vollkommen aus, um zu zeigen, dass Fletcher seinen Schülern gegenüber zwar ein Arschloch ist, das allerdings durchaus auch eine menschliche Seite hat und aus seiner Sicht nur in besten Absichten handelt.

Abgesehen von der Musik und seinen starken Darstellern ist Whiplash aber auch ein gut erzähltes Drama. Im Zentrum des Films steht zum einen die durchaus schwierige Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, zwischen Mentor und Protege. Protege bedeutet so viel wie „Der Beschützte“. Doch schützen ist so ziemlich das Letzte, das Fletcher mit seinen Schülern macht. Zum anderen geht es aber auch um Träume, Ehrgeiz, Selbstverwirklichung und Leidenschaft bis hin zur Selbstaufgabe. Als Zuschauer weiß man bis zum Abspann nicht, ob man Andrew wünschen soll, seinem Ziel wirklich näher zu kommen. Je besser er wird und je näher er dem großen Durchbruch kommt, desto mehr muss er von sich selbst aufgeben. Seine seelische und körperliche Gesundheit, die Nähe zu seiner Familie und auch die Beziehungen zu Freunden und seiner Partnerin stehen ihm auf seinem Weg nach oben im Weg. Das Loslassen seines Traums, wäre für Andrew zwar ein Scheitern. Allerdings muss man sich die Frage stellen, wie viel seiner Persönlichkeit und seines Lebens man dem Erfolg und dem Erreichen seiner Ziele tatsächlich unterordnen sollte.

Whiplash gibt auf diese Frage keine klare Antwort und regt den Zuschauer zum Nachdenken an. Nebenbei ist Damian Chazelles Remake seines eigenen Kurzfilms ein klasse Musikfilm und ein packendes Drama. Mit fünf Oscarnominierungen, darunter in den Kategorien „Bester Film“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“, war Whiplash einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 2014. Auch wenn die drei Auszeichnungen in den Kategorien „Bester Nebendarsteller“, „Bester Schnitt“ und „Bester Ton“ aller Ehren wert sind, hätte der Film meiner Meinung nach die Königstrophäe des besten Films ebenfalls verdient gehabt.

13 Gedanken zu “Whiplash (2014)

    • Wir sind kein Blog sondern ein ultraseriöses Magazin 😉
      Aber ich freue mich trotzdem, dass es weitergeht. Hoffentlich kommt das Ding an. Dir natürlich auch ein erfolgreiches (Blog)jahr.

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  1. Whiplash ist einer dieser Filme, wofür Redakteur Steffelowski die Formulierung „unberührbare Filme“ geschaffen hat. Ein exzellenter Thriller, ein an die Nieren gehendes Drama, eine Studie über dysfunktionale Beziehung, ein erstklassiger Musikfilm. Das alles ist Whiplash. Müsste ich eigentlich nochmal anschauen.

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  2. Auch wenn ich damit ein kleines bisschen Vorwegnehme: der beste Film seit mindestens 2010. Und seitdem ich ihn vor drei Monaten nochmal angeschaut habe, mittlerweile auch in meiner Top 5 aller Zeiten. Ein Brett von einem Film. Story, Emotionen, Charaktere, Machart, Musik, Mitfiebern, Anfang, Mittelteil, Ende, J.K. Simmons, wow, wow, wow!

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  3. Für mich ist der Film einfach nur Perfektion und daher zurecht zu meinem absoluten Lieblingsfilm gereift. Erst vor paar Wochen habe ich ihn ein viertes Mal gesehen, darüber hinaus stolpere ich immer wieder über die Highlight-Szenen auf Youtube, die ich mir dann aber auch paar Mal hintereinander anschaue. Meine Liebe für ihn hat sich auf ein großes, eingerahmtes Filmposter ausgeweitet, das voller Stolz mein Schlafzimmer schmückt. Wo im Übrigen auch ein Schlagzeug steht, dass ich seit Kindesalter bespielen kann und weshalb mir auf die Musikszenen im Film noch krasser einer abgeht.

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    • Oha. Ganz so weit geht es bei mir dann doch nicht. Aber ich kann deine Leidenschaft für den Film absolut nachvollziehen. Mein bester Freund ist/war auch Drummer und der fand den Film auch cool. Ich musste bei Andrews blutigen Händen öfters an ihn denken. 😂

      Gefällt 2 Personen

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